Flüsse des Lebens - DER NIL

Auf meinen Reisen haben mich schon viele Flüsse begleitet. Aber der wunderschönste war für mich der NIL der mich auf meiner Ägyptenreise begleitete. Der Nil und seine Ufer sind wunderschön – zweifellos. Auf meiner Nilkreuzfahrt wurde ich niemals müde die Landschaft zu genießen. Manchmal sah man kilometerbreite Streifen grünes Land und manchmal ging es unmittelbar in Wüste über. Faszinierend fand ich auch, dass es noch immer unbefestigte Ufer, Sandbänke und Untiefen gibt, trotz des großen Staudammes. Die meisten Nilkreuzfahrten beginnen in Luxor führen über Edfu, Kom Ombo, durch die Esna-Schleuse bis Assuan. Im Norden führt er bis ins Nildelta und fließt dann ins Mittelmeer. Immerhin ist der  Nil mit 6852 km der längste Fluss der Erde. In den Bergen von Ruanda und Burundi entspringt er, durchfließt dann Tansania, Uganda, den Südsudan und den Sudan, bevor er in Ägypten in das Mittelmeer mündet. An seinen Ufern entstand eine der frühesten Hochkulturen und noch heute ist der Nil von entscheidender wirtschaftlicher Bedeutung.

Entlang des Nils kann man beobachten, dass Dörfer direkt am Ufer liegen. Manchmal sieht man Kinder baden oder die Männer beim Fischen. Aber das Leben am Nil ist leider nicht immer so malerisch. Trotzdem das Nilwasser so erstaunlich klar aussieht ist es nicht wirklich sauber. Ein Bad darin ist gefährlich, denn die hier häufige Bilharziose kann auch heute noch tödlich verlaufen. 

Da Ägypten nicht nur von der Vergangenheit und der malerischen Landschaft leben kann findet auch hier die Industrialisierung statt. Und so findet man an manchen Ufern auch Fabriken (z. B. Zuckerrohrraffinerien) oder Schiffswerften. Das wirkt sich natürlich ungünstig auf die Wasserqualität aus. Und trotzdem wirkt die Landwirtschaft an den Uferregionen oder Nilinseln deutlich naturnah. Am Nilufer konnte ich angepflockte Wasserbüffel sehen, viele Felder und immer wieder Dattelpalmen.

Nilkreuzfahrten werden gern von Reisegesellschaften angepriesen. Man verspricht Romantik pur. Den Alltag vergessen und in Natur und Geschichte eintauchen. Aber wie soll das gehen, auf den großen dröhnenden Kreuzfahrtschiffen. In der Hochsaison ist der Nil übersät mit Kreuzfahrtschiffen und alle quetschen sich dann durch die Esna-Schleuse. Im Nacken der Zeitdruck – vielleicht ist die Reise ja auch zu kurz, um die Sehenswürdigkeiten wirklich zu genießen. Ich hatte dagegen Glück im Juni. Wir waren das letzte Schiff, das auslief. Und so glitt unser Schiff auf dem Nil langsam dahin und um uns herum war kaum ein anderes zu sehen. Aber in der Hochsaison muss sich da eine ganze Flotte von Kreuzfahrtschiffen auf dem Weg machen. Es gibt die unterschiedlichsten Kreuzfahrtschiffe. Vom einfachen und gesichtslosen Schiff bis zum Eleganten. Der berühmteste ist wohl der Raddampfer „Sudan“ – auf dem damals Agatha Christie den Film „Tod auf dem Nil“ drehte. Ich habe aber nie gehört, dass man ein solches Schiff von Deutschland aus buchen kann.  Sehr romantisch ist aber eine Fahrt mit einer Feluke. Vorausgesetzt es gibt ein wenig Wind. Wir fuhren nämlich in Assuan mit einer Feluke los und blieben mitten im Nil stehen (weil kein Wind mehr war) und ein Motorboot musste uns abschleppen.

Am Ufer des Nils gibt es auch viele Vögel zu sehen. Und wenn das Schiff nicht gerade zu laut ist hört man sie auch im Röhricht singen. Zum Beispiel ist hier der Drosselrohrsänger zu hause. Ich konnte ihn auf Kitchener Island beobachten. Auf dem Weg dorthin begegneten wir auch dem Sultansvogel. Viele Vögel kennt man ja auch aus der Heimat sowie Graureiher, Blässhühner und Kormorane. Aber jede Menge gibt es hier von den weißen Reihern in verschiedenen Arten. Überrascht war ich hier vom Wiedehopf, den man ja bei uns eher selten sieht. Ihn konnte ich dann auch wieder auf Kitchener Island beobachten.

An der Grenze von Sudan erreicht der Nil den Nassersee, der durch den Assuan-Damm aufgestaut wird.

..und zum Abschluss noch ein schönes Gedicht vom Nil

 

Fellachen in grauen und weißen Gewändern,

Aus Schleiern dringt fröhlicher Dorftratsch der Frauen,

Das Wasser schwappt ölig an Niluferrändern,

Im Schatten zwei Büffel, die Zuckerrohr kauen.

 

Sanft schaukeln Feluken, gewunden die Segel,

Die Dattel reift langsam auf mächtigen Palmen,

Der Kuhreiher pickt sich den arglosen Egel,

Ein Esel begnügt sich mit trockenen Halmen.

 

Der Reisende ahnt hinter schattigen Hainen

Die Gräber der irdischen Gottesvertreter.

Die Bildergeschichten in glühheißen Steinen

Benennen die Edlen, Versklavte, Verräter.

 

Mit Wissen und Weisheit gespeist und beladen,

Ein fließendes Meer voll ägyptischer Würde.

Das Diesseits und Jenseits, geformt in Gestaden,

Der Nil, zum Aeternum die sanfteste Hürde.

(Ibrahim)

 

Mein Beitrag zur Blog-Parade von Zypresse... 

Kommentare

Diskussion geschlossen
  • Beate (Sonntag, 28. April 2013 09:07)

    Ein schöner, persönlicher Bericht. Und das Gedicht gefällt mir besonders gut!

  • Zypresse (Sonntag, 28. April 2013 09:48)

    Schön, stimmungsvoll - Danke für Deinen Beitrag zur Blogparade!

  • eo (Montag, 29. April 2013 09:36)

    Ein endrucksvoller, persönlicher Reisebericht, entlang einer uralten Wassserstraße. Noch aus der Schulzeit erinnere ich mich, dass die Ufer regelmäßig überschwemmt waren. Das erhöhte die
    Fruchtbarkeit des Ackerlandes, erforderte aber auch eine regelmäßige Neuvermessung - wohl wegen der der Steuer. So liegt denn hier auch eine der Wiegen unserer heutigen Mathematik, zumindest des
    Zahlensystem. Entland von Flüssen haben sich eigentlich immer Kulturen entwickelt. Sie kommen und sie gehen. Gruß eo

I am not the same having seen the moon shine on the other side of the world…

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
all pictures copyright by © Romy Kern 2011-2017